25. Juli 2022

Unsere Geschäftsführung wird zur Doppelspitze

Wir haben spannende Neuigkeiten: Ab sofort wird der Liquid Democracy e.V. von Marie-Kathrin Siemer und Moritz Ritter als Doppelspitze geleitet. Marie-Kathrin übernimmt neben unserem bisherigen Geschäftsführer Moritz künftig hauptsächlich die Bereiche Team- und Organisationsentwicklung sowie Strategie. Moritz betreut weiterhin vor allem die Bereiche Finanzen, Fundraising, Öffentlichkeitsarbeit und Strategie. Im Interview erzählen die beiden, warum sie sich für die Doppelspitze entschieden haben und was die Vorteile des neuen Modells sind.

Bild von unserer neuen Doppelspitze Marie-Kathrin und Moritz in unserem Büro: Die beiden lachen frontal in die Kamera. Im Hintergrund sieht man etwas verschwommen den Umriss einer Regalwand und eine große Pflanze.
Doppelspitze mit Moritz Ritter und Marie-Kathrin Siemer

Marie-Kathrin, du hast bei Liquid Democracy bisher als Projektmanagerin und Scrum Master gearbeitet und bist Mitglied im Vereinsvorstand. Was ändert sich für dich jetzt konkret mit der neuen Position als Geschäftsführerin?

Marie-Kathrin: Mit der neuen Position verändert sich insbesondere mein Fokus: Waren es vorher die Projekte und die Softwareentwicklung, an denen ich gearbeitet habe, werde ich mich nun auf das Team konzentrieren: Was braucht das Team als Ganzes und jedes individuelle Teammitglied, um sich als Person in unsere Vision einbringen zu können? Konkret heißt das weniger Projektarbeit und mehr administrative Arbeit und Gespräche mit Kolleg:innen. Damit die Rollen innerhalb des Vereins trennscharf bleiben, werde ich mich außerdem Ende des Jahres von meiner Rolle als Vorstandsvorsitzenden verabschieden und mich auch nicht erneut als Vorständin aufstellen lassen. Das geschieht mit einem lachenden und einem weinenden Auge: Die strategische Arbeit im Vorstand hat mir immer viel Freude bereitet. Allerdings begeistert mich auch die Frage, wie partizipative Führung gelebt und begleitet werden kann sowie das Thema Team- und Organisations-Entwicklung im Allgemeinen. Ich freue mich, meine Faszination und Expertise bei Liquid diesbezüglich noch mehr einbringen zu können.

Moritz, du bist seit 2016 Geschäftsführer von Liquid Democracy und hattest seit 2018 die Rolle des Geschäftsführers alleine inne. Was waren die Beweggründe für die Entscheidung, die Leitung aufzuteilen?

Moritz: Wir sind mittlerweile 18 hauptamtliche Team-Mitglieder, also einige mehr als 2018. Und vor allem sehe ich ganz viel Potential darin, dass wir Führungsrollen nicht als klassische Top-Down-Rollen verstehen, sondern als Rollen, die Teamprozesse moderieren und Entscheidungen nur in letzter Instanz treffen. Allerdings hatte ich allein kaum mehr Zeit, dieses Ideal praktisch in noch bessere Prozesse zu gießen. Marie-Kathrin hat schon lange wichtige Impulse und Wissen für unsere partizipative Teamstruktur eingebracht. Da erschien es mir total passend, dass sie das mit mir in der Rolle der Geschäftsführerin macht.

Was erhofft ihr euch beide von dem neuen Führungsmodell und welche konkreten Vorteile seht ihr?

Marie-Kathrin: Verschiedene Perspektiven sind immer bereichernd – das ist uns aus dem Beteiligungskontext ja bekannt. Eine weitere Person in der Geschäftsführung bringt eine neue Perspektive ein, bringt mehr Meinungsabwägung und Diskussion. Dabei können wir auf die Erfahrung und Expertise von Moritz aufbauen, die er in seiner 6-jährigen Zeit als Geschäftsführer und ehemaliges Vorstandsmitglied bereits gesammelt hat. Ich bin dankbar, ihn als erfahrenen Partner an meiner Seite zu wissen und freue mich, mich zusätzlich einzubringen. Ganz im partizipativen Sinne ist es schön, dass wir auch die Verantwortung teilen.

Moritz: Ich gewinne enorm viel Inspiration aus Marie-Kathrins Leidenschaft und aus ihrem Wissen zu Themen der Organisationsentwicklung und Teamkultur. Auf diese Impulse von ihr freue ich mich in der Geschäftsführung sehr. Außerdem macht es einfach Freude und es ist auch entlastend für mich und das Team, wenn sich die Verantwortung, die man in einer Führungsrolle hat, auf mehr Schultern verteilt. Zudem habe ich durch die zusätzliche Energie in der Geschäftsführung mehr Zeit für Aufgaben, die bisher etwas zu kurz gekommen sind. Zum Beispiel die strategische Koordination der Weiterentwicklung unserer Beteiligungssoftware Adhocracy und für unsere Öffentlichkeits- und Kampagnenarbeit.

Was denkt ihr, ist besonders wichtig, damit die Doppelspitze gelingt, sowohl auf Ebene der Geschäftsführung, aber auch für das gesamte Team?

Moritz: Eine offene, wertschätzende Kommunikation, sich selbst nicht zu wichtig nehmen und eine gute Portion Humor, wenn es mal nicht so gut läuft.

Marie-Kathrin: Demut vor gemeinsamen Entscheidungen, Geduld in Beteiligungsprozessen und Lust, aus Fehlern zu lernen – auch wenn das manchmal schwierig ist.

Und zum Abschluss: Welche Pläne habt ihr für den Verein, was möchtet ihr in der kommenden Zeit erreichen?

Moritz: Der Verein wird ja von uns in der Geschäftsführung gemeinsam mit dem Vorstand, seinen Mitgliedern und dem Team an Hauptamtlichen gelenkt und unsere Vision mit Leben gefüllt. Diese Energie und die Vielfalt an Ideen, die dabei entsteht, möchte ich gern noch besser kanalisieren, um unsere Forderungen nach einer transparenteren und inklusiveren digitalen Demokratie in der Öffentlichkeit sichtbarer zu machen. Außerdem freue ich mich, den roten Faden in unserer Software-Entwicklung, die in ganz verschiedenen Projekten stattfindet, gemeinsam klarer zu definieren.

Marie-Kathrin: Aus meiner neuen Rolle heraus blicke ich natürlich neben der äußeren Wirkung, die Moritz beschrieben hat, auf das Team und die Kultur. Das hauptamtliche Team muss gut mit der Vision des Vereins verbunden sein, damit wir gemeinschaftlich an der Erreichung der Vision arbeiten können. Außerdem braucht es ein resilientes Team, welches sich mit den individuellen Potentialen bestmöglich einbringen kann. Ich wünsche mir außerdem, dass wir unsere partizipative Kultur weiter pflegen und mit neuen innovativen, demokratischen Ansätzen bereichern, um auch in Zukunft immer wieder neue Impulse für den Verein zu setzen.


Über Marie-Kathrin Siemer und Moritz Ritter

Marie-Kathrin Siemer ist Vorstandsvorsitzende vom Liquid Democracy e.V.. Dort konzeptualisiert die ausgebildete Mediatorin digitale Beteiligungsprozesse und begleitet die Durchführung strategisch und moderativ. Sie leitet das Forschungsprojekt KOSMO zu Künstlicher Intelligenz und Moderation und betreute 2020 u. A. die Beteiligungsplattform der Enquete Kommission für Künstliche Intelligenz des Deutschen Bundestages. Vor ihrer Tätigkeit beim Liquid Democracy e.V. sammelte Marie-Kathrin Siemer entwicklungspolitische Erfahrungen im Bereich Menschenrechte und Nothilfe in gemeinnützigen Organisationen im In- und Ausland. Sie studierte Europäische Ethnologie, Gender Studies und Global Change Management in Berlin, Amsterdam und Eberswalde.

Moritz Ritter ist Demokratie-Aktivist und Technologie-Optimist. Er ist seit 2016 Geschäftsführer des gemeinnützigen Vereins Liquid Democracy in Berlin. Dort arbeitet er daran, Demokratie durch digitale Plattformen partizipativer, transparenter und gleichberechtigter zu machen. Ehrenamtlich engagiert sich Moritz außerdem bei der Initiative Es geht LOS, wo er bei der Organisation von Wahlkreisräten hilft und bei der Volksinitiative „Demokratie für Alle“, die für eine inklusivere Demokratie in Berlin kämpft. 2021 war er zudem Mitglied im Organisations-Team der Initiative digitalezivilgesellschaft.org, in der sich mehr als 30 Organisationen für die Förderung einer sozial gerechten und nachhaltigen Digitalisierung einsetzen. Moritz hat Politikwissenschaft und Englische Philologie an der FU Berlin studiert.